Turgel, ev. Kirche St. Martin

Türi, Türi Martini kirik
Urspr. ländl. Parochialkirche in der Nähe eines Sees, heute im O-Teil der Stadt gelegen und von einem Park mit Kirchgarten umgeben. Vermutl. Ende 13. Jh. erb., Gewölbe und Giebel Anf. 14. Jh. Neogot. Turm errichtet 1867 von Johann Gottfried Mühlenhausen. Kirche im Zweiten Weltkrieg beschädigt, rest. 1951–57 und 1980er Jahre, Turm 1996–2019.
Dreischiffige Hallenkirche aus Kalk-, Feld- und Backstein. W-Turm mit schlankem Turmhelm, an den Ecken gestufte Strebepfeiler mit bekrönenden Fialen, Turmfassade mit Blendnischen. Breites Langhaus mit eingezogenem, quadrat. Chor, kleine Sakristei erst später an der S-Seite angebaut. Die Fassaden verputzt und Giebel des Rechteckchors mit Blendarkaden und Zahnfries gestaltet, diese zeitgleich mit der Einwölbung und einer Treppe in der SW-Mauerecke des Chors. Neogot. W-Portal spitzbogig und mit torartiger Rahmung sowie bekrönenden Fialen. An der S-Seite des Langhauses das mittelalterl. spitzbogige, zweistufige Seitenportal erh., in der Archivolte und in den Laibungen je zwei Rundwülste, die Kapitelle mit got. Blattdekor und einem einzelnen Kopf. An der O-, S- und N-Seite der Kirche schmale, gedrückte Spitzbogen-Fenster ohne Maßwerk, in der O-Wand der Seitenschiffe kleinere, ebenso spitzbogige Fenster. Urspr. befand sich in der W-Wand ein für Järva maakond / Kr. Jerwen untyp. spitzbogiges Fenster und darüber ein großes, in die Wand vertieftes Kreuz.
Das Mittelschiff in drei quadrat. Joche gegliedert. Die Gratgewölbe des Langhauses im Mittelschiff kuppelartig, in den Seitenschiffen schmale, langgezogene Gratgewölbe. Die Gewölbe stützen auf vier schlanke Rundpfeiler, auf deren Kapitellen stilisierte Knospenmotive. Die breiten Arkaden- und Gurtbögen mit viereckigem Querschnitt stützen an den Wänden auf trapezförmige Konsolen, auf einer die Darstellung des Judaskusses. Langhaus und Chor durch einen hohen, spitzbogigen Triumphbogen geschieden. Im Chor achtteiliges kuppelartiges Gratgewölbe, das auf Schildbögen und in den Ecken auf schlichten Konsolen stützt, eine davon mit stilisiertem Menschenkopf. In der O-Wand südl. vom Altar Sakramentsnische mit Ziergiebel. —
Retabel (Korpus 1899/1900) mit den Figuren Moses und Johannes Bapt., zwei Engeln sowie Ornamenten von Christian Ackermann(1693) und den Altargemälden Golgatha und Abendmahl (1693), manierist. Kanzelkorb mit Schnitzfiguren und mit Schalldeckel (1630), neogot. Bänke (2. Hälfte 19. Jh.) und Orgel von der Firma Walcker(1897) sowie Erweiterung durch die Gebrüder Kriisa(1931/32).

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