Riga, Ev. Kirche St. Johannis

Rīga, Sv. Jāņa ev. lut. baznīca
Riga, Ev. Kirche St. Johannis / Rīga, Sv. Jāņa ev. lut. baznīca, Herder-Institut, Marburg/Germany, Bildarchiv, 252659, Foto: Wolfgang Schekanski, CC BY-SA 4.0
Riga, Ev. Kirche St. Johannis / Rīga, Sv. Jāņa ev. lut. baznīca, Herder-Institut, Marburg/Germany, Bildarchiv, 252659, Foto: Wolfgang Schekanski, CC BY-SA 4.0
Riga, Ev. Kirche St. Johannis / Rīga, Sv. Jāņa ev. lut. baznīca, Herder-Institut, Marburg/Germany, Bildarchiv, 252659, Foto: Wolfgang Schekanski, CC BY-SA 4.0
In Lettland einmaliger Sakralbau, in dem sich Stilformen der spätgot. Backsteinarchitektur (im ältesten Teil des Langhauses) und spätmanierist. Renaissance (im Choranbau) vereinen. Errichtet auf Grundstück mit einer beim Stadtbrand 1215 zerstörten Kirche (erster Sitz des Rigaer Bischofs 

Albert, von Buxhövden

(1165 - 1229)

Albert, Riga, Bischof
Albert, von Buxthoeven
Albert, von Buxhoeveden

  • Bischof

Geboren:
  • XX.XX.1165
Gestorben:
  • January 17, 1229

Geburtsort:
  • Bexhövede
Sterbeort:
  • Riga

Dt. Bischof von Livland; Bischof von Riga; Domherr in Bremen
Familiäre Beziehungen
Hartwig, von Bremen (Onkel)

, erw. 1206), das 1235 den Dominikanern geschenkt worden war; dort an der Stelle einer ehem. Kapelle (bis 1297) eine Kirche errichtet. Weihe zu Ehren des Hl. Johannes Bapt. 1312. Erweiterung der Kirche ab 1330. Im Zuge der Reformation Kirche 1523 enteignet und für wirtschaftl. Zwecke genutzt. 1582 Übergabe an die lett. luther. Gemeinde von Rīga. 1587–89 Erweiterung durch größeren und modernen Chor vermutl. durch den aus den Niederlanden stammenden damaligen Rigaer Stadtbaumeister Jorris Jorriszen Frese (Gert Friesen). Um 1600 Erhöhung des Langhauses und Einzug eines Netzgewölbes, in der NW-Fassade Stufenportal sowie Stufengiebel. Gebäude 1677 beim Stadtbrand beschädigt. Renov. durch Rupert Bindenschu. Kreuzgewölbe des mittleren Chorschiffs aus Holz und auf dem O-Giebel neues Türmchen mit Galerie und barocker Haube; 1849 durch neogot. Dachreiter ersetzt (Entw. Johann Daniel Felsko. 1924–26 Renov., Eingangsportal an der NW-Fassade und Skulptur des Hl. Johannes Bapt. in der SO-Fassade durch Kopien ersetzt (Konstantīns Rončevskis, 2019 ebenso die Figur der Salome (Kopie von Edvīns Krūmiņš; __Originalskulptur rest.). Größere Renov. im Kircheninneren 1761, 1889/90 und 1909/10. Einschiffige Kirche auf unregelmäßig rechteckigem Grundriss mit hohem Giebeldach, mit Dachziegeln gedeckt. Im Innern bilden hohe eingezogene Strebepfeiler Kapellenräume. In der SW-Wand hohe spitzbogige Fensteröffnungen, gegenüber an der NW- und NO-Seite Emporen. NW-Fassade mit fünfstufigem Treppengiebel mit vertikalen, profilierten Backsteinstäben, die rhythm. vier horizontale, verputzte Bänder teilen. Auf den Kielbögen zwischen den Stäben durchbrochene, kreisrunde Medaillons. Langhaus vierjochig mit prächtigem Netzgewölbe nach Vorbild der Danziger Marienkirche. Auf den verputzten Gewölbekappen hebt sich ein dichtes Muster aus fein profilierten Backsteinrippen ab.
Choranbau
Der spätere, dreischiffige Choranbau etwas niedriger, auf rechteckigem Grundriss als Pseudobasilika mit polygonaler Apsis und Schopfwalmdach. In der SW-Fassade wechseln sich toskan. Pilaster mit großen Rundbogenfenstern ab. An Pilastern, Fenster- und Nischenumrahmungen Putzrustika in großen Abständen. Fenster mit spätgot. Maßwerk. In der zur Jāņa iela gewandten SO-Fassade drei kleinere Okuli, ein größeres Rundbogenfenster und zwei Nischen mit Skulpturen des Hl. Johannes Bapt. und Salome. Oberer Wandabschluss mit dekorativem Fries – mosaikartig aus Backsteinen und Putzflächen gestalteter Perlstab und Rosettenmotive. Gewölbe urspr. bemalt. Toskan. Säulen auf hohen Postamenten gliedern die Joche. Rundbogige Arkaden mit Rustika in großen Abständen. Unterhalb des Putzgesimses Zahnschnittfries. Über den toskan. Kapitellen bis zum Gewölbefuß dekorative, im unteren Teil schmalere Pilaster. Beiderseits des Triumphbogens Bündelpfeiler. – Im Chorbereich spiegelt sich die Tradition der Brabanter Gotik, die frühe Askese des protestant. Kirchenbaus sowie Einflüsse der Architektur der norditalien. Spätrenaissance in nordniederländ. Ausführung wieder. Es dominiert ein zurückhaltend klassizist. Stil mit manierist. Akzenten offensichtl. unter Einfluss von Vorlagen aus dem Vierten Buch von Sebastiano Serlio, wohingegen für die dekorativen Elemente des Innenraums die Traktate von Hans Vredeman de Vries (Lisenen, Beschläge, stilisierte Konsolen und andere applizierte Details). Nächste Analogien für die künstler. Konzeption des Rigaer Chorinneren finden sich in Kapellen mecklenburg. Renaissance–Schlösser. — Im Kirchenraum mehrere bedeutende Kunstdenkmäler: an der Brüstung der Orgelempore ein neun Gemälde umfassender Zyklus mit dem Leidensweg Christi von Kordt Meyer (1691), ein spätbarockes Altarretabel und Lesepult (1768/69) entw. von Jakob Ernst Meyer, gefertigt von Karl Gottlob Appelbaum, sowie Glasmalereien aus der Werkstatt von Ernst Tode (1890).

Ihre Nachricht zum Objekt

Sie haben Informationen oder Fragen zu diesem Objekt?